Aufgaben und Arbeitsweisen

  • Ziele und gesetzlicher Auftrag

 

Bewährungshilfe ist sozialpädagogische, ambulante und staatliche Straffälligenhilfe im Auftrag der Strafgerichte. Sie ist ein Organ der Rechtspflege. Bewährungshilfe soll die soziale Integration der Probanden in Staat und Gesellschaft fördern und diese unterstützen, ein Leben ohne Straftaten zu führen. Sie leistet somit einen Beitrag zur öffentlichen Sicherheit.


Bewährungshelfer betreuen jugendliche, heranwachsende und erwachsene Personen (= Probanden) im Rahmen der Strafaussetzung zur Bewährungs- oder Führungsaufsicht. Der Bewährungshelfer steht der verurteilten Person helfend und betreuend zur Seite. Sie überwacht im Einvernehmen mit dem Gericht die Erfüllung der Auflagen und Weisungen sowie der Anerbieten und Zusagen und berichtet über die Lebensführung der verurteilten Person in Zeitabständen, die das Gericht bestimmt. Gröbliche und beharrliche Verstöße gegen Auflagen, Weisungen, Anerbieten oder Zusagen teilt der Bewährungshelfer dem Gericht mit (§ 56 d Absatz 3 StGB). Die Leistungen der Bewährungshilfe zielen langfristig darauf ab, die verurteilte Person von weiteren Straftaten abzuhalten (§ 56 d Absatz 1 StGB).

 

Im Falle von Führungsaufsicht stehen Bewährungshelfer und Führungsaufsichtsstelle im Einvernehmen miteinander dem Probanden helfend und betreuend zur Seite. Die Aufsichtsstelle überwacht im Einvernehmen mit dem Gericht und mit maßgeblicher Unterstützung des Bewährungshelfers das Verhalten des Probanden und die Erfüllung der Weisungen (§ 68 a Absatz 2 und 3 StGB). Bewährungshelfer üben ihre Tätigkeit in enger Abstimmung mit dem aufsichtsführenden Gericht aus.

 

  • Arbeitsweise


Bewährungshilfe arbeitet im Einzelsetting, setzt aber auch sozialpädagogische Gruppen-, Projekt- und Gemeinwesenarbeit ein. Der Umfang der Tätigkeit berücksichtigt auch die bei der Bewährungshilfe vorhandenen Ressourcen.

Bewährungshilfe meint einen gemeinsamen Prozess von Bewährungshelfer und Proband sowie ihrem sozialen Umfeld, der sie darin unterstützt, künftig ein straffreies Leben zu führen. Dieser Prozess besteht aus Unterstützungsleistungen, die sowohl die Autonomie der Proband*innen fördernde als auch kontrollierende Aspekte beinhalten. Je nach Gegebenheit haben diese Aspekte ein unterschiedliches (d.h. einmal mehr unterstützendes und einmal mehr kontrollierendes) Gewicht. Die Hilfe des Bewährungshelfers ist als Hilfe zur Selbsthilfe zu verstehen. Die Probanen tragen im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Verantwortung für sich selbst und für ihre Entscheidungen. Ziele sind, die Motivation der Probanden zu stärken bzw. zu entwickeln und sie zu unterstützen, vorhandene Ressourcen und Kompetenzen zu nutzen, um individuelle Problemlagen zu lösen. Dabei hat die Bewährungshilfe den Proband in einer vielschichtigen Wechselwirkung zu seiner Umwelt im Blick.


Die Überwachungsaufgaben beinhalten die Kontrolle der Erfüllung gerichtlich angeordneter Auflagen und Weisungen sowie die Beobachtung der Lebensführung der Probanden, vor allem im Hinblick auf Gefährdungsmomente und Rückfallrisiken. Kontrolle kann auch als temporäre Unterstützungsleistung für die Probanden verstanden werden, um selbstgesetzte Ziele besser erreichen zu können. Sie darf jedoch langfristig nicht verhindern, selbstgesetzte Ziele eigenständig zu erreichen. Kontrolle dient den Bewährungshelfern auch zur Überprüfung der Wirksamkeit des eigenen Handelns (Monitoring) und gibt gegebenenfalls Hinweise auf Optimierungsmöglichkeiten. Im Falle nachhaltig fehlender Kooperationsbereitschaft des Probanden beschränkt sich der Bewährungshelfer auf die Wahrnehmung ihrer Kontrollaufgaben. Es bleibt jedoch weiterhin die Aufgabe, die Kooperationsbereitschaft des Probanden mit den zur Verfügung stehenden fachlichen Methoden zu wecken.


Die fachliche Arbeit der Bewährungshilfe wird spätestens nach Abschluss der Eingangsphase in Themenprozessen strukturiert. Sie sind der Regelfall der professionellen Tätigkeit und bezeichnen stets Handlungsprozesse, die auf eine vom Probanden gewollte oder vom Bewährungshelfer angestrebte Veränderung zielen. Sie sind planbar, überschaubar und evaluierbar. Kontrollaufgaben sind keine eigenen Prozesse, sondern Teil übergeordneter Prozesse, in denen sie eine auf Veränderung zielende und sozialpädagogisch als Unterstützung zu gestaltende Funktion übernehmen. Kontrollaufgaben sollen nach Möglichkeit einem Themenprozess zugeordnet werden. Wo dies nicht möglich ist, werden sie an anderer Stelle dokumentiert. Gleiches gilt für einmalige Leistungen. Prozesse sind von einer geplanten zeitlichen Dauer, haben also einen Anfang und ein Ende. Einmalige Leistungen sind kein Prozess und stellen eine Ausnahme dar.

(Quelle: Qualitätsstandards bayerische Bewährungshilfe, 7. Auflage 2015)

  • Qualitätsstandards

 

Seit Jahren befindet sich die bayerische Bewährungshilfe in einem kontinuierlichen Qualitätsentwicklungs- und Sicherungsprozess, der auch verdeutlicht, wie sie ihren Auftrag erfüllt und was die Justiz, aber auch die Öffentlichkeit von ihr erwarten kann. Die Zentrale Koordinierungsstelle Bewährungshilfe hat seit 2003 in enger Zusammenarbeit mit allen Dienststellen der Bewährungshilfe und mit wissenschaftlicher Begleitung fachliche Standards entwickelt, die seit ihrer ersten Veröffentlichung im Oktober 2007 kontinuierlich weiterentwickelt wurden.

 

Qualitätsstandards der bayerischen Bewährungshilfe, 8. Auflage, Stand: 04. Mai 2017
qualitaetsstandards_8_auflage.pdf
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  • Rechtliche Grundlagen der Bewährungshilfe und Führungsaufsicht

 

Für die Arbeit der Bewährungshelfer sind insbesondere die nachfolgenden bundes- und landesrechtlichen Vorschriften von maßgeblicher Bedeutung:

  • §§ 56, 56 a, 56 b, 56 c, 56 d, 56 e, 56 f Absatz 2, 56 g, 57 Absatz 3, 57 a Absatz 3, 63, 64, 67, 68, 68 a, 68 d und  68 g StGB
  • § 36 BtmG
  • §§ 21, 24, 25, 26 Absatz 2, 27, 29, 57, 58, 61, 61 a und 61 b sowie 88 Absatz 6 JGG (auch in Verbindung mit §§ 105 Absatz 1 und 110 Absatz 1 JGG)
  • § 453 Absatz 1 Satz 4 StPO
  • § 37 Beamtenstatusgesetz und § 203 StGB (Verschwiegenheitspflicht)
  • Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz vom 15. Januar 2003 über Bewährungshilfe, Führungsaufsicht und Gerichtshilfe (Gz.: 4263 - II -6953/02; JMBl. 2003, Seite 30) in der Fassung vom 1. Oktober 2004 (Gz.: 2390 - IV - 5500/03; JMBl 2004, 132)
  • JMS des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz vom 7. April 1987 über ProbandInnen in der Führungsaufsicht und Bewährungshilfe, die besonderer Betreuung und Überwachung bedürfen (Gz.: 4263 - II - 2509/85) verlängert bis auf Weiteres durch JVMS vom 13. März 2009 (Gz.: 4263 - II - 2509/85). 
  • §§ 21 und 22 der Bayerischen Gnadenordnung vom 2. Juli 1974 (GVBl. 1974, S. 400).

 

Hauptamtliche Bewährungshelfer sind Mitarbeiter der Justiz. Voraussetzung für die Einstellung ist der erfolgreiche Abschluss des Studiums als Diplom-Sozialpädagoge (FH) oder des Bachelorstudiengangs Soziale Arbeit jeweils mit staatlicher Anerkennung. Organisatorisch sind die Bewährungshelfer den Landgerichten zugeordnet. Die Dienstaufsicht obliegt dem jeweiligen Landgerichtspräsidenten. Die Leitenden Bewährungshelfer sind Fachvorgesetzte der ihnen zugeordneten BewährungshelferInnen und Servicekräfte.

 

Das Gericht kann der verurteilten Person Auflagen erteilen, die der Genugtuung für das begangene Unrecht dienen. Dabei dürfen an die Verurteilten keine unzumutbaren Anforderungen gestellt werden. Das Gericht erteilt der verurteilten Person für die Dauer der Bewährungszeit Weisungen, wenn sie dieser Hilfe bedarf, um keine Straftaten mehr zu begehen (§ 56 b und c Absatz 1 StGB, § 23 Absatz 1 Satz 2 und 15 JGG). Im Jugendrecht soll die Richter für die Dauer der Bewährungszeit die Lebensführung der jugendlichen Person durch Weisungen erzieherisch beeinflussen (§ 23 Absatz 1 Satz 1 JGG).

Das Gericht widerruft die Strafaussetzung zur Bewährung, wenn die verurteilte Person gegen Auflagen oder Weisungen gröblich oder beharrlich verstößt (§ 56 f Absatz 1 Nr. 2 und 3 StGB, § 26 Absatz 1 Nr. 2 und 3 JGG) und bei Weisungsverstößen sich Anlass zu der Besorgnis ergibt, dass die verurteilte Person erneut Straftaten begehen wird.
Im Rahmen der Führungsaufsicht kann das Gericht der verurteilten Person für die Dauer der Führungsaufsicht oder für eine kürzere Zeit Weisungen erteilen (§ 68 b Absatz 1 und 2 StGB). Verstößt die Führungsaufsichtsproband*in während der Führungsaufsicht gegen eine strafbewährte Weisung im Sinne von § 68 b Absatz 1 StGB und wird der Zweck der Maßregel dadurch gefährdet, droht nach § 145 a StGB eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.

(Quelle: Qualitätsstandards bayerische Bewährungshilfe, 7. Auflage 2015)

 

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